Bergahorn

Raumplanung

Im Rahmen der Gemeindestrukturreform haben die drei Gemeinden die Aufgabe, ihre alten Zonenpläne gesamthaft zu überarbeiten. In einem ersten Schritt mussten die kommunalen Richtpläne erstellt werden, welche in der Zwischenzeit in allen Gemeinden rechtskräftig sind. Nun folgen die Gesamtrevisionen der Baureglemente und Zonenpläne.

Eine grosse und anspruchsvolle Aufgabe

Diese Gesamtrevisionen sind zugegebenermassen für die Gemeinden keine leichten Aufgaben; hatten doch die alten Gemeinden ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was in welchem Ausmass der Gemeinde an Wachstum und Entwicklung dienlich ist. Während einige Gemeinden sehr zurückhaltend und dem Raumplanungsgesetz entsprechend nachhaltig in ihrer Politik der Einzonungen waren, konnte bei anderen Gemeinden eine geradezu exzessive Einzonungs-Praxis festgestellt werden. Auch sind in den Zonenplanrevisionen einige Anpassungen der eidgenössischen Gesetzgebungen umzusetzen. So das revidierte Raumplanungsgesetz oder das Gewässerschutzgesetz.

Zusätzlich warten aber auch immer noch alte, unerledigte Aufgaben, wie zum Beispiel das Erstellen der Inventare der nach Natur- und Heimatschutzgesetz (NHG) schützenswerten Biotope und Objekte, auf ihre Umsetzung (siehe auch Hintergrund – Inventare nach Natur- und Heimatschutzgesetz). Und nicht zuletzt müssen bei den Revisionen der Zonenpläne auch die neu erstellten Gefahrenkarten berücksichtigt werden. Pro Natura Glarus befasst sich intensiv mit den Zonenplanrevisionen und arbeitet zum Teil auch in Arbeitsgruppen mit. Doch wie sieht es nun aus Sicht von Pro Natura konkret aus in den drei Gemeinden?

 

Gemeinde Glarus - Aufgabe gut erfüllt

Planausschnitt Verzeichnis

Die Gemeinde Glarus hat ihre Arbeit gut angepackt und im Rahmen der Öffentlichen Mitwirkung das Verzeichnis nach NHG vorgelegt. Insgesamt erachten wir das Verzeichnis als gut ausgearbeitet. Nicht einverstanden sind wir damit, dass auf den Alpen keine detaillierten Erhebungen gemacht wurden. Begründet wird dies damit, dass diese extensiv bewirtschaftet würden und die Trockenwiesen und -weiden damit bereits nachhaltig geschützt seien. Aufgrund unserer Einwendungen wird das Verzeichnis ergänzt – unter anderem werden in den Alpgebieten auch die Moore, Ahornselven und weitere schützenswerte Objekte erfasst. Wir haben deshalb auf eine Beschwerde vor Regierungsrat verzichtet. Die Zonenplanung ist im Frühling 2018 vom Regierungsrat unter kleinen Anpassungen genehmigt worden.

 

Gemeinde Glarus Süd - Nachbessern bitte!

Fliegenpilz © Markus Bissig

Als zweite Gemeinde legte Glarus Süd den Zonenplan öffentlich auf. Hier zeigte sich die Situation ganz anders. Die Gemeinde verschiebt die Erarbeitung des längst überfälligen Inventars nach NHG – ohne sich auf einen genauen Zeitplan festzulegen. Eine aus unserer Sicht nicht akzeptierbare Situation. Bei genauerem Hinsehen stellten wir noch weitere Mängel an der vorgelegten Zonenplanung fest: Die viel zu grossen Bauzonen wurden nicht ausreichend verkleinert, dazu noch neue Bauzonen ausgeschieden und die Vorgaben des GSchG zur Ausscheidung der Gewässerräume nicht umgesetzt. Die Einsprache von Pro Natura Glarus fiel deshalb auch entsprechend detailliert und harsch aus. Unsere Anträge wurden dann vom Gemeinderat fast durchwegs abgewiesen. An der Gemeindeversammlung im Frühling 2017 wurde der Zonenplan von der Bevölkerung dann gesamthaft zurückgewiesen. Vor allem aufgrund der Opposition der Bauernschaft, welche sich gegen die Ausscheidung der Gewässerräume wehrten.

Gemeinde Glarus Nord - Noch einmal von vorne anfangen!

renaturierter Bach © Barbara Fierz

Als letzte Gemeinde hat auch Glarus Nord Anfang 2017 ihre Zonenplanung öffentlich aufgelegt. Auch hier wurde auf die Erarbeitung des Verzeichnisses der schützenswerten Objekte  nach NHG verzichtet. Weitere Kritikpunkte aus Sicht Umweltschutz waren die Konflikte zwischen Bauzonen und Wildtierkorridoren, die wenig sachgemäss ausgeschiedenen Gewässerräume, sowie Konflikte zwischen Schutzgebieten und Tourismuszonen. Pro Natura hat eine umfassende Einsprache mit 42 Einsprachepunkten erarbeitet. 40 davon wurden vom Gemeinderat abgelehnt. Ende September 2017 hat auch in dieser Gemeinde die Gemeindeversammlung die Zonenplanung gesamthaft zurückgewiesen.